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Bezirke Mittwoch, 26. Juli 2000

Halt finden im Meer moderner Reize

Berliner Jugendliche veranstalten eine internationale Tagung zur Zukunft der Arbeit

Von Heike Dietrich

Kreuzberg - 170 Schlafsäcke, Isomatten und Matratzen liegen in den Klassenräumen der Kreuzberger Waldorfschule an der Ritterstraße kreuz und quer, Rücksäcke und Taschen stapeln sich. Sie gehören den fast 200 Jugendlichen, die zur Jugendtagung «Halt2000» aus ganz Europa nach Kreuzberg gekommen sind. Eine Tagung für Jugendliche von Jugendlichen. Dennn die neun Initiatoren sind allesamt erst um die 20 Jahre alt.

Eine Menge Arbeit halste sich die Gruppe dafür auf - freiwillig und ehrenamtlich. Die Fäden laufen an der Steglitzer Bornstraße zusammen. Ein Laptop, ein kaputter Kopierer, ein Schreibtisch, ein Bett in der Ecke: Alles sehr provisorisch. Doch der dämmerige Raum im Erdgeschoss ist die Zentrale der Jugendtagung «Halt», bei der noch bis zum Sonntag Jugendliche aus der Schweiz, aus Norwegen, den Niederlanden, Liechtenstein, Frankreich, Österreich, Polen, Serbien, Russland, Sibirien, der Ukraine und Rumänien miteinander diskutieren.

Wohlerzogen überlassen Jonas Grätz, Marian Volmer, Thomas Middelmann und Moritz Christoph dem Besucher den besten Stuhl des Tagungsbüros. Klar und frisch der Ausdruck ihrer Gesichter, klar auch ihre Vorstellungen über ihr Projekt. Geduldig erklären sie. Clubs und Computer, Fernsehen und Musik, Drogen und Mode - «Halt», der Titel der Tagung, soll ein grundsätzliches Problem auf den Punkt bringen: «Wie findet man den Halt in diesen ganzen modernen Erscheinungen», grübelt Thomas, der in Nordrhein-Westfalen gerade seinen Zivildienst beendet hat. «Wo finden wir inneren Halt in den ständig wechselnden Eindrücken der Außenwelt und in dem Wust von Informationen», formulierten sie im Faltblatt zur Veranstaltung.

«Individuelle und gesellschaftliche Weiterentwicklung im 21. Jahrhundert» lautet der Untertitel ihres internationalen Jugendkongresses. Wie ihr Beitrag zu dieser Weiterentwicklung aussehen kann, haben die Organisatoren der Tagung für sich schon beantwortet: Sie wollen mitdenken, mitreden, eigene Ideen zur Gesellschaft entwickeln. Moritz, der Wirtschaftsingenieurswesen studiert, setzte sich in dem Verein «Mehr Demokratie» für stärkere Mitbestimmungsrechte ein und leitete schon Arbeitsgruppen bei anderen Jugendtagungen. Marian besucht und leitet als ehemaliger Chefredakteur einer Schülerzeitung regelmäßig Seminare. Jonas und Thomas nahmen erst Ostern an einer Jugendtagung in Kiew teil, begeistert kehrten sie nach Berlin zurück.

Im März vergangenen Jahres gründeten einige von ihnen die «Bewegung für die soziale Dreigliederung», die sich auf eine Theorie von Rudolf Steiner (1861 - 1925), dem Begründer der Anthroposophie, bezieht. Unter Dreigliederung versteht Steiner das harmonische Zusammenspiel von Wirtschaft, Staat und Kultur in der Gesellschaft. «Heute kann man davon ausgehen, dass die Wirtschaft das Übergewicht hat», glaubt Thomas. «Wir wollen einen Gegenpol setzen und überlegen: Wie kann zum Beispiel Arbeit in Zukunft aussehen», fragt sich Jonas. Die Tagung soll helfen, Steiners Erwägungen bekannt zu machen. Die Ergebnisse sollen in einem Tagungsbuch zusammengefasst werden.

Für ihr Projekt stürzten sich die Organisatoren in Arbeit: suchten die zehn Referenten, kümmerten sich um die Unterkunft für die Teilnehmer, behielten den Eingang der Teilnahmegebühren von 185 DM pro Person im Auge, kalkulierten die Verpflegung, kauften ein und überlegten sich ein Rahmenprogramm. Abgesehen von einigen Sponsoren stehen hinter den Jugendlichen keine finanzstarken Partner. 3000 Mark Fördergeld erhalten sie von der GLS-Gemeinnützige Treuhandstelle. Für die Jugendlichen aus der ehemaligen Sowjetunion bürgte gegenüber der Ausländerbehörde die Anthroposophische Gesellschaft.

Ihre Arbeit an der Jugendtagung empfinden die jungen Organisatoren als gewinnbringend - auch wenn sie keine Mark verdienen. «Ich hatte Lust, etwas anderes zu machen als nur Abi», stellt Jonas klar, der trotz Jugendtagung an der Rudolf-Steiner-Schule in Dahlem seinen Abschluss schaffte. Geographie-Student Marian sieht in der Jugendtagung auch eine Chance, sein Organisationstalent zu entwickeln, das ihm im Berufsleben weiterhelfen kann. Diskussionen, die simultan ins Englische übersetzt werden, Abendstunden mit Konzerten für Klavier und Saxophon, das gemeinsame Singen am Morgen: Das sind die Momente, die für alle Anstrengungen entschädigen. «Wenn man so was schafft, dann ist das etwas, auf das man zurückguckt und sagt: Wow», sagt Marian.

   

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